Kopfgrafik
Linie
Sie sind hier: Zen > Eine Anleitung

Anleitung zum Zen (Zazen Gi)

Das "Zazen-Gi", eine Anleitung für die Meditation aus dem China des 8. Jahrhunderts aus dem Po'chan Ch'inkuei, herausgegeben von Po-chang Huai-hai (720-814)*.

Bodhisattvas, die Prajna-Weisheit studieren, müssen zunächst ein tiefes Mitgefühl für alle Wesen und ein tiefes Verlangen danach haben, sie alle zu retten. Sie müssen Samadhi-Meditation mit großer Umsicht üben und sie müssen geloben, die fühlenden Wesen zum anderen Ufer überzusetzen, indem sie ablehnen, Zazen nur zu ihrer eigenen Befreiung zu üben.

Um Befreiung durch Zazen zu erreichen, muss man frei sein von den Ablenkungen durch die äußeren Sinnesobjekte und frei von inneren geistigen Störungen, so dass Körper und Herz-Geist eins werden und Bewegung und Ruhe nicht verschieden sind.

Bei den Mahlzeiten isst man weder zu viel noch zu wenig, der Schlaf ist weder zu kurz noch zu lang.

Wenn man Zazen zu üben wünscht, benutzt man ein weiches Kissen an einem ruhigen Platz, legt lose Kleidung an und bringt alle Dinge um sich herum in Ordnung. Dann setzt man sich mit gekreuzten Beinen in die Lotusposition, indem man den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und linken Fuß auf den rechten Oberschenkel legt, oder man sitzt im Halblotus, in dem nur der linke Fuß auf dem anderen Oberschenkel ruht. Dann legt man die rechte Hand auf den linken Fuß, mit der Handfläche noch oben, und die linke Hand in die rechte, so dass die Daumen sich gerade eben berühren. Der Körper wird aufgerichtet, indem er mehrfach nach vorn und hinten und zu den Seiten bewegt wird, bis sich eine ausbalancierte Sitzposition ergibt. Der Oberkörper sollte weder zu einer Seite noch nach hinten oder vorne neigen. Die Knochen der Hüfte, des Rückens und des Schädels ruhen aufeinander wie eine Stupa. Die Sitzposition sollte nicht so übertrieben aufrecht sein, dass jemand anderes sich beim Anblick dieser Sitzhaltung unwohl fühlen würde. Halte Ohren und Schultern, Nase und Nabel in einer Linie, die Zunge sollte am Gaumen anliegen und die Lippen und Zähne aufeinander ruhen, die Augen sollten leicht geöffnet bleiben, um das Einschlafen zu verhindern. Wenn du in Samadhi eintrittst, ist dessen Kraft unvergleichlich.

In der alten Zeit gab es einen Mönch, der Großes erreicht hatte, und der immer mit offenen Augen Zazen übte. Auch Entsu-zenji von Houn-ji kritisierte diejenigen, die mit geschlossenen Augen Zazen übten, heftig. Er nannte sie "Die Teufel in der schwarzen Höhle". Darin liegt eine tiefe Bedeutung verborgen, die nur jemand erkennen kann, der viel erreicht hat. Wenn die Position gut eingerichtet ist und der Atem regelmäßig fließt, drücke den Unterbauch heraus. Denke nicht "Gut", denke nicht "Böse", schneide alle Illusionen ab und werfe sie von dir, indem du dich mit ganzem Einsatz auf das Zählen der Atemzüge oder auf dein Koan konzentrierst. Indem wir alle Verblendungen ohne Unterbrechung abschneiden, werden wir auf natürliche Weise zur Einheit heranreifen. Dies ist der Kern der Methode des Zazen.

Wenn man einmal durchgebrochen ist durch die Masse des großen Zweifels, als ob man das Schwert des großen General Kwan geschwungen hätte, gewinnt man am Angelpunkt von Leben und Tod die großen Freiheit den Buddha zu töten, wenn man den Buddha trifft und die Patriarchen zu töten, wenn man die Patriarchen trifft. Und man gewinnt die Freiheit, sich jeder Situation zu erfreuen, wo auch immer man steht.

Meiner Ansicht nach ist Zazen der dem Wesen des Menschen am besten entsprechende Weg zur Wahrheit des Dharma. Gleichwohl erkranken einige Leute aus Mangel an Umsicht beim Praktizieren des Zazen. Richtiges Zazen muss immer eine aufrechte und stabile Position berücksichtigen, einen kontrollierten tiefen, langen und lautlosen Atem und einen leeren offenen Geist. Wenn man das Zazen und den tiefen Herz-Geist darin erfährt, dann entspannt sich der Körper, der Geist ist erfrischt und das Denken wird klar. Mit dem Geschmack für das Dharma, das den eigenen Geist vertieft, wird man ruhig, frisch und freudvoll.

Beim Aufstehen geht es einem wie dem Drachen auf dem Grund des Meeres oder dem Tiger auf seinem Berg. Aber auch wenn man dieses Gewahrsein noch nicht erreicht hat, wird die Energie nicht umsonst aufgewendet sein, - gerade so, wie ein Mann, der ein Feuer mit Hilfe des Windes anfacht. In jedem Fall sollte man seinem Urteil folgen, soweit das eigene Gewahrsein reicht und sich niemals selbst täuschen.

Und doch, je weiter man auf dem Weg gekommen ist, desto vielfältiger werden die inneren Gegenspieler und Hindernisse. Manche scheinen auf einen zuzukommen, manche überraschen uns von hinten. Wie auch immer, wenn das Gewahrsein einmal verwirklicht ist, haben diese Hindernisse keinen Bestand. Die Formen der Gegner und Hindernisse auf dem Weg sind detailliert dargestellt in Texten wie dem "Surangama Maha-Sutra" oder den "Shikan Forschungen" des großen Meisters Tendai (538-597) und dem "Text über Praxis und Gewahrsein" von Zenmeister Kiho-Shimitsu (780-841). Diejenigen, die sich auf Hindernisse vorbereiten wollen, müssen sie im Voraus kennen.

Beim Herauskommen aus der Meditation sollte man langsam anfangen seinen Körper zu bewegen und ohne Hast aufstehen. Nach der Meditation sollte man seine erlangten Fähigkeiten in jedem Moment anwenden, um die Samadhi-Energie so sorgfältig zu behüten wie eine Mutter ihr Baby behütet. Auf diese Weise wird die Samadhi-Energie reif werden.

Zazen zu üben, ist eine der dringendsten Notwendigkeiten aller Menschen. Wenn man nicht die vollständige Stille im Zazen erreicht hat, kann es geschehen, dass man sich in kritischen Situationen hilflos fühlt. Um die Perle auf dem Grund der See zu finden, muss man die Wellen sich beruhigen lassen, es wird schwer, sie zu entdecken, wenn man das Wasser aufgewühlt hat. Wo das Wasser der Meditation klar und ruhig ist, wird die Perle des Herz-Geistes auf natürliche Weise sichtbar. Deshalb heißt es im "Valpulya-purnabodhiprapta-Sutra": "Alle Weisheit des Nicht-Anhänges und alle Klarheit kommt aus dem Zazen." Oder, wie es im "Dhamma-Pada Sutra" heißt: "Lass deinen Geist sich in der Stille sammeln und lass ihn bewegungslos ruhen wie den Berg Sumeru."

Es sollte damit klar sein, dass man nur durch diesen Prozess der Stille fortschreiten kann, und nur durch die eigene Energie des Samadhi ist man fähig, zu sterben, während man in Meditation sitzt oder steht. Aber sogar, wenn man eine lebenslange Anstrengung macht, um der Wahrheit ganz und gar gewahr zu werden, kann man nicht vermeiden zu straucheln. Wie kann dann jemand, der sein Zazen vernachlässigt, sich auf das Karma vorbereiten? Deswegen haben die Alten betont: "Wer keine Samadhi-Energie hat, um den Tod zu besiegen, muss blindlings in die Dunkelheit zurückfallen und wird endlos auf dem Ozean von Tod-und-Geburt umhergetrieben."

Zen-Brüder und -Schwestern, lest diesen Text wieder und wieder, so dass ihr zusammen mit allen anderen Wesen das wirkliche Erwachen erreicht.

* Die Verwendung der englischen Übertragung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Eshin Nishimura, Hanazono Universität, Kyoto.

 

Startseite   Zen   Verein   Vorträge   TO GEN JI   Zen in ...   Literatur   Service   Sesshin   Mehr Seminare   Home   Links   Spenden


© by Choka Sangha e.V. · Hesterberger Weg 1 · 31595 Steyerberg
Telefon: 0 57 64 / 94 14 89 · info@choka-sangha.de